Historia des "Herrn Georgen Des Heiligen Römischen Reichs Graffen von Werthern"

 

Der Besitz der ehemaligen reichsunmittelbaren Grafschaft Beichlingen und das reichslehnbare Ehrenamt des Erbkammertürhüters hoben die Herren von Werthern in der altständigen Gesellschaft aus der Masse des sächsisch-thüringischen Landadels deutlich heraus.

 

Nach anfänglich gemeinsamen Besitz der väterlichen Güter, fand 1705 die Teilung und 1708 die wirkliche Besitzscheidung statt. Der jüngere Bruder Friedemann erhielt Beichlingen, Georg Neuenheiligen und Großneuhausen.

 

Kinder: 1. Magdalene Sophie Elisabeth geb. 28.08.1692 in Dresden         - gestorben am 02.10.1757 in Groß-Kmehlen

                   in 2. Ehe vermählt mit Johann Siegfried Graf v. Schönfeld       

               2. Friedrich geb. 24.11.1693 in Dresden                                        - gestorben am 08.12.1695 in Burgholzhansen ?

               3. Rahel Luise geb. 24.02.1699 in Regensburg                              - gestorben am15.07.1764 in Thallwitz/ Wurzen

                   vermählt mit Ludwig Gebhardt II. Graf v. Hoym auf Droyßig    

               4. Graf Georg II.geb. 08.06.1700 in Regensburg                            gestorben am 16.12.1768 in Eythra

                   vermählt mit Henriette Gräfin von Flemming                               

               5. Eleonore Friederike geb. 06.06.1701                                          - gestorben am 07.09.1701 in Regensburg

               6. Friederike Auguste geb. 28.07.1712 in Gravenhaag                   - gestorben am 16.01.1748 in Kroppen

                       vermählt mit Carl Gottlob v. Lüttichau auf Groß-Kmehlen        

 

Georg Graf von Werthern erblickte unter Hinweis auf FRITSCHE (1705, S.94) "auff dem Schloß Beichlingen 21 Julii um 6 Uhr früh 1663" das Licht der Welt.

Seine Eltern waren Friedrich von Werthern  (geb. am 26.06.1630 in Rötha - gest. am 21.12.1686 in Dresden) auf den Graf- und Herrschaften Beichlingen und Frohndorf, auch Neuenheiligen und Pauscha, Kursächsischer Wirklicher Geheimer Rat, Oberhauptmann von Thüringen, designierter Konsistorialpräsident und Oberhofrichter und Agnes Magdalena, geb. von Heßler (geb. am 12.07.1637 in Naumburg - gest. 25.12.1665 in Dresden) aus dem Haus Burgheßler, einem alten, angesehenen thüringischen Adelsgeschlecht mit Stammsitz in Burkersroda. Er hatte noch 5 Geschwister

          1.  Eleonore Sophie geb. 1.2.1657 in ?

                  vermählt mit Christian Ludwig Frhr. v. Eberstein                       - gestorben am 26.9.1720 in Neuhaus

             2.  Rahel geb. 15.3.1658 in Beichlingen

                  vermählt mit Heinrich v. Bünau auf Trebsen                               - gestorben am 13.11.1729 in Müglentz

             3.  Maria Agnesa geb. am 25.4.1659 in Beichlingen

                  vermählt mit  Christoph Ludwigv. Burgsdorf                              - gestorben am 1.9.1709 in Pauscha    

             4.  Johanna Christina geb. am 31.3.1660 in Beichlingen                  - gestorben am 24.3.1688 in Beichlingen

             5.  Elisabeth geb. am 13.1.1662 in Beichlingen

                       vermählt mit Georg Caspar v. Marschall                                - gestorben am 29.10.1739 in Naumburg     

 

und 12 Stiefgeschwister aus zweiter Ehe seines Vaters mit Justine Elisabeth v. Löser ( geb. am 11.10.1654 - gest. am 09.01.1701 in Beichlingen) aus dem Haus Uhlsdorf.

          1.  Wolfgang geb. 24.7.1665                                                              - gestorben am 25.7.1665 in Beichlingen   

             2.  Ursula Magdalena geb. am 4.9.1672 in Beichlingen

                  vermählt mit Rudolf Heinrich v. Lüttichau auf Falkenhayn        - gestorben nach 1734

             3.  Heinrich geb. 30.1.1674                                                               - gestorben am 10.2.1675 in Beichlingen

             4.  Chatarina Elisabeth geb. am 24.4.1675                                        - gestorben am 4.11.1708 in Ahlsdorf

                  vermählt mit Anton Friedrich v. Seiffertitz                                     

             5.  Anna Justina geb. am 13.8.1676                                                  - gestorben am  13.2.1678                        

             6.  Friedrich geb. am 18.9.1677 in Beichlingen                                - gestorben am  31.5.1678 in Beichlingen

             7.  Dietrich geb. am 11.1.1679 in Beichlingen                                  - gestorben am  20.3.1679 in Beichlingen

             8.  Johannes geb. am 17.2.1680 in Beichlingen                                - gestorben am    6.3.1680                          

             9.  Auguste Sophie geb. m 5.8.11681                                                - gestorben ?

                  vermählt mit Adam heinrich v. Pflugkauf Cavertitz                        

           10.  Friedrich geb. 1682                                                                       - gestorben   .4.1683

           11.  Gottlob geb. am 28.11.1683 in Dresden                                       - gestorben am 20.5.1686 in Dresden

           12.  Graf Friedemann geb. am 24.12.1684 in Dresden                        - gestorben am 11.12.1763 in Beichlingen

                  I.  vermählt mit Marie Renate Catarina Gräfin v.Geyersberg

                 II. vermählt mit Constanze Gräfin v. Windischgrätz

 

Nach seiner Kindheit studierte er ab 1680 in Leipzig, danach zwei Jahre in Jena,wo er besonders Lyncker hörte und unter ihm im Dezember MDCLXXXII (1682) seine Dissertation Acadenica, De Religione Obseqvii ( Von denen mancherley Arten derer Huldigungen / und sogenannten Eyden der Treue) vorzulegen. Auch soll er noch zwei Jahre zu Leipzig unter Born's Leitung studiert haben ?

Um seine Ausbildung abzuschließen, folgte die übliche ausgedehnte Kavalierstour über Straßburg nach den Niederlanden, England, Frankreich und Regensburg.

Wegen der Krankheit seines Vaters wurde er 1686 nach Dresden heimgerufen, wo 2 Tage nach seiner Ankunft des selbigen Tod eintraf. Hierauf ist er von Johann Georg IV. zum Kammerjunker"employret" worden und als solcher begleitet er ihn 1688 auf seiner dänischen Reise nach Kopenhagen.  Nach der Heimkehr ernannte ihn Kurfürst Johann Georg III. am 22.10.1688 zum Kurfürstlichen Hof- und Justitienrat.

Am 10.09.1689 vermählt sich Georg Graf von Werthern auf Schloss Scharfenberg bei Meißen mit Rahel Helene v. Miltitz (geb. am 02.04.1676 - gest. am 09.05.1736 in Dresden), der jüngsten Tochter ( sie ist 13 Jahre alt ) des Haubold von Miltitz auf Scharfenberg, Kroppen und Scherau, Kurfürstlich Sächsischer Geheimer Rat und Kammerherr, Obersteuerdirektor des Meißnischen Kreises, Oberhauptmann des Erb- und Prokutatamtes Meißen und der Elisabeth Sophia geb. von Bodenhausen aus dem Haus Radis.

Er heiratet damit in eines "der ältesten und angesehensten meissnischen Adelsgeschlechter"ein (KNESCHKE, 1865, S. 297).

Die sehr junge Ehefrau hatte noch einen Bruder und zwei Schwestern. "Diese Ehe ist gantz glücklich und vollkommen vergnügt gewesen, dergestalt, dass ich sie nicht besser habe wünschen können.Wir liebeten einander recht hertzlich, und meine Gemahlin hat sich nicht nur bey mir befunden, so lange ich mich in Regensburg aufgehalten, sondern mir auch nach Frankfurth zur Käyser=Wahl, insgleich bey meiner Holländischen Gesandtschafft nachgefolget", bemerkt nach FASSMANN (1724, S. 1225) der Reichsgraf gegenüber dem Freiherrn von Fuchs.

Haubold v. Miltitz, der Begründer der Linie Kroppen, erwarb das zum zwangsweise Verkauf gelangte Gut Kroppen 1677 von Hans Heinrich von Loss zu Dreuschkowitz. Er erbaute 1679 (das aus niederen Gründen 1948 gesprengte) Schloss und kaufte 1681 das nur durch die Pulsnitz von der Oberlausitz getrennte markmeissnische Heinersdorf zu Kroppen hinzu. Am Schlosspartal befand sich sein Wappen auf der linken und das seiner zweiten Ehefrau  geb. von Bodenhausen auf der rechten Seite. Haubold von Miltitz ist von 1653 an auch als Wiederhersteller von Schloss Scharfenberg bekannt. Der Aufstieg von Werthern war von nun an nicht mehr zu bremsen.

Mit dem Ableben des Haubold von Miltitz 1690 fällt Kroppen und Pertinentien an seine jüngste Tochter Rahel Helene.

Wegen der von Kursachsen beim Tod von Herzog Friedrich von Gotha beanspruchten Vormundschaft wird von  Werthern 1691 an die ernestinischen Höfe geschickt.  Mit dem Regierungsantritt von Johann Georg IV. erneuert dieser am 15. October 1691 die Hofrathsbestallung und bestimmte ihn am 15. Mai 1693 zum Viceoberaufseher der Grafschaft Mansfeld.

Am 4. Juni desselben Jahres wurde er nebst Otto Heinrich von Friesen und Jakob Born als Gesandter zum Lehnsempfang nach Wien gesandt und verweilte von Ende Juni 1693 bis Januar 1694 daselbst, wo am 10. October die Belehnung mit den Reichstehen, am 12. December die mit den böhmischen Lehen stattfand. Nach seiner Rückkehr Ernennung zum Kammerherrn.  Mit dem Ableben von Johann Georg IV. und dem Regierungsantritt von Kurfürst Friedrich August I. (August der Starke), erfolgt die Abordnung zur Notifikation an die Höfe von Hannover und Celle. Darauf Entgegennahme der Huldigung im Stift Wurzen, in Tieffurth und Tennstedt und erlangte am 6. April 1694 die Bestätigung der Ernennung zum Viceoberaufseher von Mansfeld nebst der Anwartschaft auf die Oberaufseherstelle, vertauschte aber mit Genehmigung des Kurfürsten diesen Posten am 20. April 1695 mit der Oberhauptmannschaft von Thüringen, die bereits sein Großvater und Vater innen hatten.

Im gleichen Jahr empfängt er als Gesandter die kursächsischen Lehen des Stifts Quedlinburg und nimmt die Huldigung für die Erbvogtei ein. 

Im Laufe des nächsten Jahres trug er sich mit dem Gedanken, sich der Bewirthschaftung seiner Güter zu widmen, doch ein wichtiger Auftrag vereitelte dies Vorhaben.

Am 19. Decbr. 1696 beruft Friedrich August I. den bisherigen Gesandten beim Reichstag zu Regensburg, Moritz Heinrich von Miltitz ab und ernannte von Werthern zum Nachfolger, der im Januar 1697 dort eintraf und nach seiner Accreditirung am 1. März bald Gelegenheit haben sollte, seine diplomatischen Fähigkeiten glänzend zu bethätigen. Die Angelegenheiten der geschaffenen neunten Kurwürde, die Friedensverhandlungen mit Frankreich u. a. beschäftigten zunächst die Comitialkreise, bald trat aber eine andere Frage dazu, die Werthern's Eifer, Vorsicht und Gewandtheit in besonderem Grade erforderte.

Mit dem Übertritt zum katholischen Glauben und der Thronbesteigung von Kurfürst Friedrich August I. 1694 als König von Polen stand die zu lösende Aufgabe an, ob sich unter den katholischen Herrscher das bisher innegehabte "Directorium des Corbus Evangelicorum" behaupten lasse.   Wesentlich Werthern's Thätigkeit, die von andern Gesandten selbst anerkannt wurde, war es mit zu danken, daß er die Directorialgeschäfte nicht nur fortführen und für Sachsen wahren konnte, sondern daß sogar unter seiner Leitung die collegialen Geschäfte sich reger anließen.  In der Folgezeit waren es die Kalenderfrage, die preußische Königswürde, die Verlegung des Kammergerichts, die Zulassung des Fürstenthums Querfurt, der Stifte Naumburg und Merseburg im Fürstencollegium, am meisten aber der spanische Erbfolgekrieg und der nordische Krieg, die von Reichswegen zu übernehmende Sicherstellung der kursächsischen Lande gegen schwedische Angriffe, an deren Verhandlung der sächsische Gesandte betheiligt war.

Am 4. Februar 1698 erhält von Werthern vom König das "Prädicat eines Geheimen Rathes", am 24. Mai 1699 den zugehörigen Rang verliehen und am 28. October 1700 folgte die Ernennung zum "Wirklich Geheimen Rath". Bald wurde ihm auch eine noch höhere Auszeichnung zu theil: 

Am 12. August 1702 erhob Kaiser Leopold ihn in Anerkennung seines alten Adels und der Verdienste seiner Vorfahren und seiner selbst in den erblichen Reichsgrafenstand, der durch kursächsisches Rescript vom 7. September 1703 anerkannt wurde.

Zeitweilig führte W. beim Reichstag auch das kurbrandenburgische Votum für den Grafen Metternich, ließ sich ebenso auch wiederholt durch die preußischen Gesandten vertreten, wenn er Regensburg verließ...

1705 kauft die Reichsgräfin Rahel Helene von Werthern von Bernhard  d. J. von Könneritz das in Kroppen eingepfarrte und dem benachbart liegende Frauendorf. 

1710 Ernennung zum Kabinetsminister, obwohl der Kurfürst vertraulich geäußert haben soll, dass "W. nicht sein Mann sei". Mit Beginn des Jahres 1711 kam es zur Abberufung seiner Regensburger Gesandtschaft. Zu seinem Nachfolger wurde der von ihm selbst vorgeschlagene Carl Gottfried Graf Bosse.

Die früher schon von seinem Großvater und Vater innegehabte Oberhauptmannsstelle von Thüringen hatte W. bereits vor seinem Regensburger Posten bekleidet; am 27. August 1709 erhielt er abermals die Anwartschaft darauf, und, nach seiner Rückkehr nach Dresden im Januar 1711, die Oberhauptmannschaft selbst am 24. Februar 1711.  Dieser finanziellen Verbesserung war noch am 30. September 1710 eine bedeutende Rangerhöhung vorhergegangen, indem ihn der König zum Cabinetsminister machte.

In Dresden ließ er sich das 1711 eingeäscherte ehemalige Palais Kötteritz in der Kreuzgasse als nunmehriges Palais Werthern für seinen Gebrauch herrichten.

Als Friedrich August I.  im Mai 1711 nach Polen reiste, nahm er W. mit sich, der deshalb am 19. Mai für seine neue Stellung außer dem Gehalt eine bedeutende Sonderzulage erhielt und den König von Krakau aus im Juni auch nach Jaroslaw zur Zusammenkunft mit Zar Peter von Rußland begleitete.

Ende Juni 1711 kehrte er nach Dresden zurück, begab sich im Juli nochmals nach dem Haag zu Verhandlungen wegen der nordischen Neutralitätsangelegenheiten und Rückberufung des sächsischen Contingents vom Heer der Verbündeten, reiste aber schon im August nach Frankfurt a. M.

Bei Kaiser Josef's I. Tod hatte in der üblichen Weise Kursachsen das Reichsvicariat übernommen und zum Mitgliede des unter Vorsitz des Kanzlers v. Friesen eingerichteten Vicariatscollegiums war auch W. mit bestellt worden; im Juli war er nebst Friesen zum Gesandten für die Kaiserwahl Karl's VI. ernannt worden und weilte als solcher von Ende August bis Anfang November in Frankfurt.

Im Winter 1711/12 war er beim König im Feldlager vor Stralsund (siehe: Großenhainer Stadt- und Landkalender 2012, S. 47 ff.) bis in den Januar 1712.   Anschließend war er in Mission, meist zu Utrecht, mit Friedensverhandlungen beschäftigt. Im März 1713 kehrte er nach Dresden zurück, ging, um Preußen zum engern Anschluß an die nordischen Verbündeten zu bewegen, nach Berlin und vom September bis December zum König nach Warschau.  Seine Emsigkeit fordert Tribut,  und so muss er sich im Juni 1714 in Teplitz einer Kur unterziehen.   Da er wieder das besondere Vertrauen des Königs in dienstlichen Sachen genoß, reiste er von September 1714 bis August 1715 zum König nach Polen.   Auch kaufte er 1715 von der Heinersdorfer Mühle erblich den auf der Meißner Seite der Pulsnitz gelegenen sogenannten Kellerberg, wo er das noch heute bestehende Kellerhaus errichtete. Seine mit den Alter zunehmende Kränklichkeit zwang ihn auf häufige Reisen zu verzichten. Der Landesherr kam diesen Wunsche nach, und verlieh ihm am 15.11.1715 das nach dem Rücktritt von Otto Heinrich Freiherr von Friesen freigewordenen Kanzleramt in der Landesregierung und auch das Direktorium des Geheimen Rates.  Es folgten kurze Reisen und Kuren in Teplitz und Karlsbad.

Von Werthern stand nun an der Spitze der inneren Landesregierung, blieb aber als Vorsitzender des geheimen Rates mit den auswärtigen Angelegenheiten in Verbindung. AlsVorsitzender des geheimen Rates stand ihm auch in Vertretung des Kurfürst-Königs die oberste Leitung der evangelischen Religionsangelegenheiten in Kursachsen zu.

Hierbei hatte er sich 1717 nochmals mit der Frage beim Religionswechsel des Kurprinzen zu beschäftigen. Der König verlieh im dafür am 20.08.1719 anlässlich der Vermählung des Kurprinzen den polnischen Weißen Adlerorden.

 

Mit Bezug auf VÖTSCH (2005, S. 1) gehörte Georg Reichsgraf von Werthern am Ende des 17. und zu Beginn des 18. Jahrhunderts "als allseits geschätzter und versierter Kenner von Reichsrecht und Reichspolitik zu den wenigen herausragenden Persönlichkeiten in kursächsischen Diensten".

 

Das Jahr 1717 stand ganz im Zeichen des zu begehenden 200-jährigen Reformationsjubiläums. Von Werthern begann im Mai in Kroppen mit einem Kirchenneubau am heutigen Ort, welcher sich bis zum Oktober hinzog. Als Kirchenpatron hatte er sich zu seiner Ausgestaltung Künstler, Männer des Dresdner Barock zu verpflichten gewusst und so ein herrschaftliches Abbild im ländlichen Barock entstehen lassen.

Das Schicksal wollte, dass er bereits am 04. Februar 1721 im Alter von 57 Jahren, 6 Monaten und 17 Tagen in Dresden verstarb und der erste war, welchen die neuen Glocken des Kirchturmes zu Kroppen ausläuteten.

 

FASSMANN (1724, S. 1224/1226) legt dem Reichsgrafen nachfolgende Worte in den Mund: "Auf einem meiner Land=Güther, Kroppen genannt, lieget mein Leichnam bey dem Altar begraben, und es sind mir verschiedene leich=predigten gehalten worden." (...) und (...) "Im übrigen, lieber Baron! könnet ihr versichert seyn, dass ich wegen meiner Leutseligkeit gegen alle Menschen, wegen meiner Comportements mit jedermann, wegen meiner Frömmigkeit, wegen meiner Aufrichtigkeit, und endlich wegen meines Eyfers, und wegen meiner Treue vor dem König, von allen denen, die mich recht gekannt, beklaget worden bin, als mich der Todt aus der Welt gerissen."

 

Quellen und Weiterführende Literatur:

"Herrn Georgen Des Heiligen Römischen Reichs Graffen von Werthern" von Reinhard Kißro, Ortrand

 

Georg von Werthern Sächsische Biografie - http://saebi.isgv.de/biografie/Georg_von_Werthern_(1663-1721)

 

Empfohlene Zitierweise  ↑ Lippert, W., „ Werthern, Georg“, in: Allgemeine Deutsche Biographie 42 (1897), S. 127-130 [Onlinefassung]; URL: http://www.deutsche-biographie.de/pnd120632942.html

 

P. Albinus, Historie, und H. v. Werthern, Stammtafeln, wie vorher. Georg's Biographie in J. Zedler's Gr. vollst. Universallexikon, Bd. 55 (Halle 1748), S. 715—723. — A. Frantz, Das katholische Direktorium des Corpus Evangelicorum (Marburg 1880). — Biographische Aufzeichnungen im Gräfl. Werthern'schen Archive zu Beichlingen; besonders aber Briefschaften und Acten des Königl. Sächs. Hauptstaatsarchivs zu Dresden.

 

Als das Schloss in Schutt und Asche fiel

Manfred Hain hat die dramatische Abbruchzeit in Kroppen hautnah miterlebt

 

Der Abriss des Schlosses in Kroppen begann im Januar 1948. Eigentlich sollte das prächtige Ensemble aus dem Jahr 1679 als Ferienheim einer Dresdner Brauerei hergerichtet werden, doch das stand der damaligen kommunistischen Ideologie anscheinend im Wege. Vom einstigen Schluss und Gutskomplex ist heute nur noch das Fachwerkhaus, das frühere Speichergebäude, erhalten. Fotos: T. Richter/trt1 Der Kroppener Manfred Hain erlebte jene dramatischen Monate vor mehr als sechs Jahrzehnten mit, die bis heute wie ein dunkler Schleier über der Pulsnitzgemeinde lasten. »Mein Schulweg führte mich täglich am Kroppener Schloss vorbei. Es war so ein prächtiges Gebäude, an dem der wilde Wein bis oben rankte. Wir freuten uns, dass das Leben in dieses historische Ensemble zurückkehrte«, erinnert sich Manfred Hain an seine ersten Jahre in dem Ort an der Puslnitz. Hinter dem damals Neunjährigen und seiner Familie lag eine abenteuerliche Flucht aus Schlesien über das Egerland bis nach Kroppen. Das war im Sommer 1945. Das Schloss, idyllisch an der Pulsnitz gelegen, hatte den Zweiten Weltkrieg unversehrt überstanden. Der letzte Besitzer, Kommerzienrat Otto Hoesch, war bereits 1943 verstorben. Seine Frau soll am 21 .April 1945 von den Russen erschossen worden sein, berichtet Manfred Hain. So stand das Schloss bei Kriegsende leer. Eine größere Dresdner Brauerei interessierte sich für das Schlossensemble, einen zweigeschossigen Vierflügelbau mit zwei Türmen und Barockhauben. Der Gebäudekomplex sollte zu einem Betriebsferienheim für die Brauereiangestellten umgestaltet werden. Gesagt, getan. Schon bald nach Kriegsende begannen entsprechende Umbauarbeiten. »Bekannte von mir hatten damals mit gemauert«, weiß Manfred Hain. Die Räume wurden umgestaltet, alte Wände herausgebrochen, neue eingesetzt. »Im rechten Schloss- turm war bereits unsere Schulklasse eingerichtet. Die Bänke und Tische standen auch schon drin«, so der heute 74-Jährige. Ganz Kroppen habe sich damals gefreut, dass neues Leben ins Schloss eingezogen war. Doch die Freude währte nur kurz: »Anfang Januar 1948, es könnte der Achte gewesen sein, begann der Abriss der alten Ziegel und Balken. Wir dachten damals, das Schloss würde ein neues Dach erhalten. Mit meinem Großvater sägte ich tagtäglich Balken, das war schließlich unsere Brennholzzuteilung. Die Holzqualität war einwandfrei«, erzählt Manfred Hain. Zu jener Zeit habe in Kroppen nicht mal ein Gerücht existiert, dass das Schloss abgerissen werden könnte. Die wenigsten dürften damals von der Verfügung des Hoyerswerdaer Landrates gewusst haben, in der festgehalten war, dass Schlösser und Herrenhäuser aus ideologischen Gründen zu verschwinden hätten. Während die Ensembles in Lindenau, Lipsa und Hohenbocka dieser Weisung entgingen, wurde diese in Guteborn und Kroppen tatsächlich umgesetzt. Laut Manfred Hain hatte sich vor über 60 Jahren der linke Flügel der Kroppener Gemeindevertreter mit Wohlwollen hinter die Entscheidung des damaligen Kreisbaumeisters gestellt, das Schloss abzureißen. Die eigentliche Sprengung ereignete sich im Sommer 1948. »Mit einer Glocke in der Hand ging jemand durchs Dorf und forderte die Leute auf, Fenster und Türen zu schließen sowie in den Häusern zu bleiben. Wenig später folgte ein gewaltiger Knall«, erinnert sich Hain. »Das Schloss sah nach der Sprengung so ähnlich aus wie Dresden nach den Angriffen im Februar 1945. Es war zu ungefähr 90 Prozent zerstört.« Das aus den Trümmern gewonnene Baumaterial oblag einer strengen Zuteilung. Ein Teil fand für den Bau von Landarbeiterhäusern Verwendung, weitere Baustoffe gingen ins benachbarte Jannowitz. Eine Ruhlander Firma ebnete den einstigen Schlossstandort später ein. Da die Eltern von Manfred Hain in den Jahren von 1947 bis 1958 das Kroppener Gasthaus »Zur Eiche« betrieben, bekam der Heranwachsende den Zorn der Leute über diese dramatischen Ereignisse hautnah mit. »Besonders die Alteingesessenen waren verbittert und sehr enttäuscht«, so Hain. »Denn eigentlich war der Schlossabriss doch vollkommen unnötig.«

 

Quelle:

LAUSITZER RUNDSCHAU Senftenberg 08. Januar 2011 
www.lr-online.de › LokalesSenftenberg